Sat, Feb 20 | https://kunstsammler.at

Ausschreibung zur Ausstellung MEINUNG & URTEIL

MEINUNG & URTEIL und lädt dazu Künslter und Künstlerinnen aus der ganzen Welt ein. Unsere Zeit verlangt nach einer politischen Kunst, die virtuellen Ausstellungen sollen Aspekte einer politischen Ästhetik demonstrieren.
Eintrittskarten stehen nicht zum Verkauf

Zeit & Ort

Feb 20, 7:00 PM
https://kunstsammler.at

Über die Veranstaltung

Der Philosoph und Kurator Hubert Thurnhofer (thurnhofer.cc) organisiert die virtuelle Ausstellung

MEINUNG & URTEIL

und lädt dazu Künslter und Künstlerinnen aus der ganzen Welt ein.

Unsere Zeit verlangt nach einer politischen Kunst, die virtuellen  Ausstellungen sollen Aspekte einer politischen Ästhetik demonstrieren.

Essay zum Thema der Ausstellung siehe unten.

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thurnhofer.cc bietet folgende Leistungen:

1) Publikation eines Artikels über alle teilnehmenden  Künstler und Künstlerinnen mit ihren Statements zum Thema der  Ausstellung auf kunstsammler.at

(siehe z.B. Themenausstellung „Erdverbunden und -geschunden“)

2) Publikation aller angenommenen Kunstwerke zum Thema auf kunstsammler.at

(siehe z.B: Themenausstellung „Weihnachten 2020“)

3) Publikation eines Artikels über die Ausstellung (mindestens 4 Seiten) in der Zeitschrift VERNISSAGE, Ausgabe 351, mit Abbildungen aller Arbeiten der Ausstellung.

Erscheinungstermin: 20. Februar 2021.

Garantierte Mindestgröße der Abbildung: 49 qcm (7x7 cm)

Ein Beleg-Exemplar für alle TeilnehmerInnen

4) Promotion der Ausstellung auf facebook, Instagram, XING

5) Promotion der Ausstellung via Newsletter der Galerie an 3.600 Abonnenten.

Mindestens 13, maximal 21 TeilnehmerInnen

Teilnahmeberechtigt: Alle Einsendungen mit

- Foto vom Kunstwerk (Auflösung 300 dpi)

- technischen Daten zum Kunstwerk: Titel, Technik, Format

- Kurz-Kommentar zum Thema,

die bis 31. Januar 2021 an office@thurnhofer.cc gesendet wurden.

Preis pro Teilnehmer dieser Ausstellung: 150 Euro inkl Mwst

MEINUNG & URTEIL

Jede Meinung ist zunächst ein Vorurteil. Diese  apodiktische Aussage weckt hoffentlich Widerspruch, denn schon das  Grundgesetz 1867, das bis heute Teil der österreichischen Verfassung  ist, garantiert das Recht auf freie Meinung als Grundwert.

Das Patriarchat von Kaisers Gnaden hat jedoch die  Meinungsfreiheit in staatlichen und kirchlichen Organisationen ebenso  wie in Betrieben und Familien weiterhin stark eingeschränkt. Wer hätte  sich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlauben können, der Meinung  des eigenen Vaters zu widersprechen?

Erst die Entwicklung des Menschen vom Untertanen des  Staates zum selbstbewussten Bürger nach dem Ende des 2. Weltkrieges hat  schließlich der Meinungsfreiheit (zumindest in den demokratisch  verfassten Ländern dieser Welt) zum Durchbruch verholfen. Zu diesem  Durchbruch hat die UNO-Menschenrechtsdeklaration 1949 entscheidend  beigetragen. Der Artikel 19 lautet: „Jeder hat das Recht auf  Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die  Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder  Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu  suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

Seit 1949 hat sich die Welt, haben sich die Menschen  massiv verändert. War der Mensch früher selbstverständlich Teil eines  Standes und jeder Stand „von Natur aus“ Teil des Ganzen, so ist der  Mensch heute zunächst Individuum. Die Unterordnung unter das Ganze ist  nicht mehr wünschenswert. Die Menschheit als Ganzes existiert nur noch  als Fiktion neben dem Menschen als Individuum.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teil, lautet  eine alte philosophische Weisheit. Heute gilt: das Ganze ist lediglich  die Summe seiner Teile und kein Teil hat mehr Rechte als der andere  Teil. Jeder hat das Recht recht zu haben – bedeutet: Keine Meinung ist  richtiger oder falscher(?) als die andere. Am Ende ist keine Meinung  richtig und keine falsch. Die Suche nach der Wahrheit endet damit, die  Wahrheit selbst hat sich damit aus dem Diskurs verabschiedet.

Es ist zwar für jeden offensichtlich, dass die  soziale Kluft immer großer wird – größer als zu Zeiten, als man seinem  Stand oder seiner Klasse kaum entkommen konnte – doch wir leben in der  zweifelhaften Gewissheit, dass die Meinungen der Reichen und  Superreichen genauso viel oder wenig zählen wie die Meinungen der  Mittelklasse oder der Armutsgefährdeten.

Gerade für die Armen ist ihre Meinung oft das  Einzige, was ihnen niemand nehmen kann. Die Entwicklung des  Individualismus hat dazu beigetragen, dass jeder seine Meinung hütet wie  einen Schatz, die Entwicklung der Demokratie hat dazu beigetragen, dass  jeder das Recht in Anspruch nimmt, seine Meinung zu vertreten, die  Entwicklung der Internet-Medien hat dazu beigetragen, dass jeder die  Möglichkeit hat, seien Meinung zu publizieren.

All diese Entwicklungen haben nicht dazu beigetragen,  dass sich die Menschen um eine fundierte Bildung ihrer Meinungen  kümmern. So bleiben viele Meinungen im Vorurteil haften. Darum  wiederhole ich an der Stelle: Jede Meinung ist zunächst ein Vorurteil,  denn die Freiheit jede Meinung zu äußern, impliziert für viele Menschen  die Freiheit von der Verpflichtung, ihre Meinung zu begründen. Darin  liegt eine Fehlentwicklung. Dies ist meine Meinung.

Jedes Vor-Urteil kann nur durch ein Urteil bestätigt  oder widerlegt werden. Es ist üblich und durchaus legitim, dass ein  Kläger vor Gericht seine Meinungen zu eine Streitfall darlegt. Solange  jedoch keine Begründungen vorgetragen wurden, solange keine  Gegenargumente und Beweise vorgebracht wurden, bleibt jede Meinung ein  Vor-Urteil. Erst die Abwägung aller Argument durch den Richter  ermöglicht das Urteil.

Ich spitze daher meinen Meinung zu: die  Fehlentwicklung der Meinungsfreiheit, die sich bei genauer Betrachtung  in vielen Fällen als Meinungswillkür entlarvt, ist einer der Gründe für  die Fehlentwicklungen unserer Demokratie. Ich überlasse es dem Leser und  der Leserin – insbesondere den teilnehmenden Künstlern und  Künstlerinnen der Ausstellung - diese Meinung zu beurteilen.

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Österreichische Gesellschaft 

für Kunst und Medizin